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Synopsis
Die Eishockey-Nationalmannschaft der Sowjetunion war seinerzeit eine der besten der Welt. Sie bestand nahezu vollständig aus Spielern des ZSKA, dem Eishockey-Klub der Roten Armee. Von jung auf diszipliniert und ausgezeichnet durch eine Spielweise, bei der Teamwork und das „Funktionieren im Kollektiv“ im Mittelpunkt standen, galt sie mitten im Kalten Krieg als Beweis für die Überlegenheit des sozialistischen Systems. Als Teil der Propaganda war es die einzige Aufgabe des Teams, den Westen zu besiegen. Slawa Fetissow, der Kapitän, war einer der ersten, die nach der Auflösung der UdSSR von Vereinen der NHL mit dem Versprechen auf Wohlstand und Freiheit in die USA geholt wurden – ein Wechsel, für den er in der Heimat zum politischen Feind deklariert wurde. Doch der Neuanfang im Westen war steinig: Die Spielweise der sowjetischen Athleten schien im amerikanischen System der Stars und Individualisten nicht zu funktionieren …





Pressenotiz
Der von Werner Herzog und Jerry Weintraub koproduzierte Film spiegelt anhand der Geschichte des sowjetischen Eishockey-Teams die soziale, kulturelle und ideologische Entwicklung des Landes – von der Nachkriegszeit über Gorbatschow bis hin zu Putin und Sotschi – und beschreibt eindrucksvoll den Kampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus, Kollektivität und Individualität, der in allen Lebensbereichen zu spüren war. Unumstrittener Mittelpunkt ist die charismatische Eishockey-Legende Slawa Fetissow, dessen unglaubliche Biografie vom strahlenden Helden des Sports über den geächteten Landesverräter bis hin zum russischen Sportminister und engen Vertrauten Putins reicht. Mit intimen Interviews und spektakulärem Archivmaterial lässt Regisseur Gabe Polsky die Zeit des Kalten Krieges wieder aufleben.

Über den Regisseur

Gabe Polsky (*1979) wuchs als Sohn sowjetischer Einwanderer in Chicago auf und spielte in seiner Jugend selbst professionell Eishockey. 2006 gründete er mit seinem Bruder Alan die Produktionsfirma Polsky Films.

Filmografie
als Regisseur:
• RED ARMY – LEGENDEN AUF DEM EIS (USA/RU 2014)
• THE MOTEL LIFE (USA 2012) – in Ko-Regie mit seinem Bruder Alan Polsky

als Produzent:
• RED ARMY – LEGENDEN AUF DEM EIS (Gabe Polsky, USA/RU 2014)
• THE MOTEL LIFE (Gabe & Alan Polsky USA 2012)
• HIS WAY (Douglas McGrath, USA 2011)
• LITTLE BIRDS (Elgin James, USA 2011)
• BAD LIEUTENANT (Werner Herzog, USA 2009)
Kommentar des Regisseurs

RED ARMY bot mir die Möglichkeit, meine eigene Herkunft zu erkunden, und gleichzeitig die Rolle, die Eishockey in Kultur und Politik der Sowjetunion spielte, zu untersuchen.

Ich bin in den USA geboren und aufgewachsen. Meine Eltern sind aus der Sowjetunion eingewandert und sprachen nur selten über ihre Vergangenheit. Mein erstes Paar Schlittschuhe bekam ich mit sechs Jahren und spielte fortan professionell Eishockey – zuletzt für die Yale-Universität. Der Schwerpunkt lag beim Training immer auf dem Gewinnen, weniger auf der Entwicklung der Spieler. Die Übungen waren sehr eintönig und die Coachs konzentrierten sich nur auf die herausragenden Spieler, die die meisten Tore schossen.

Als ich 13 war, bekam ich einen neuen Coach, der aus der Sowjetunion kam. Seine Trainingsphilosophie und -methoden waren drastisch und ungewöhnlich: wir mussten auf den Händen laufen und Saltos schlagen, Reifen tragen und mit unseren Mitspielern auf dem Rücken laufen. Vielleicht lag der größte Unterschied darin, dass wir zu mehr Kreativität ermutigt wurden und uns beigebracht wurde, als Einheit zu denken. Kaum jemand in der Chicagoer Hockey-Community nahm unseren neuen Coach ernst. Aber er veränderte meine gesamte Vorstellung von Sport. Ich besorgte mir Aufnahmen von alten Sowjet-Hockeyspielen und was ich sah, öffnete mir die Augen: Die Sowjets bewegten sich wie ein Ganzes, wie eine Einheit, und es sah eher aus wie Kunst als wie ein Spiel. So wollte ich auch spielen!

In Yale studierte ich Politik und Geschichte und erfuhr mehr über die ungewöhnliche Rolle, die Sport in der Sowjetunion spielte. Das Team der Roten Armee wurde als Propagandainstrument benutzt: es sollte die Überlegenheit des sowjetischen Systems unter Beweis stellen. Daher investierte der Staat Unsummen in den Erfolg der Mannschaft. Deren Leben war geprägt von Repression und Leistungsdruck und war somit auch gleichzeitig ein Spiegel der sowjetischen Gesellschaft. Mir wurde klar, dass die Spielweise der Sowjets auch von der kommunistischen Ideologie geprägt war: sie legten keinen Wert auf das Individuum. Helden verdienten genauso viel wie Lehrer. Wichtig war vor allem, seinen Teamkollegen bzw. seinem Land zu dienen. Individualität auszudrücken oder Autoritäten zu hinterfragen, war verboten.

Die heutige russische Führung besteht aus großen Fans des Rote-Armee-Teams und den Spielern selbst. Wenn man die Geschichte des Teams kennt, versteht man viel besser, wer heute in Russland Entscheidungen trifft.

RED ARMY handelt davon, wie ein unglaublich repressives System eins der größten Eishockey-Teams der Geschichte hervorbringen konnte. Der Erfolg ging auf Kosten der persönlichen Freiheit der Spieler. Mit dem Film wollte ich diesem Umstand Respekt zollen und außerdem die Kunst feiern, die in dieser einzigartigen Zeit entstanden ist.


Gabe Polsky

Die russischen Fünf

Sergej Makarow, Rechtsaußen
Alexej Kassatonow, Verteidiger
Igor Larionow, Mittelstürmer
Slawa Fetissow, Verteidiger und Kapitän
Wladimir Krutow, Linksaußen


Der Trainer

Wiktor Tichonow, Sowjetischer Nationaltrainer 1977-1994


Slawa Fetissow

Wjatscheslaw Alexandrowitsch Fetissow, kurz: Slawa Fetissow, ist einer der meist dekorierten Athleten der Sowjetunion und gilt als einer der besten Eishockey-Spieler aller Zeiten. Er war Kapitän der sowjetischen Eishockey-Nationalmannschaft, gewann sieben Weltmeisterschaften, zwei Mal Olympisches Gold und drei Stanley Cups. Er spielte zwei Mal im All-Star-Team der NHL und neun Mal in dem der UdSSR. Er ist einer von sechs Spielern, die in das Jahrhundert-All-Star-Team der International Ice Hockey Federation gewählt wurden. 2001 wurde er in die Hockey Hall of Fame aufgenommen.

In den 1980er Jahren trug Fetissow maßgeblich dazu bei, dass sowjetische Athleten auch im Ausland spielen durften. Er war der erste sowjetische Bürger, dem es durch ein Visum ermöglicht wurde, in den USA zu spielen. Fetissows Bemühungen ebneten den Weg für tausende sowjetische und europäische Spieler, in den USA Hockey spielen zu können.

Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere begann Fetissow eine politische. Von 2002 bis 2008 war er russischer Sportminister und spielte eine bedeutende Rolle bei der erfolgreichen Bewerbung Sotschis für die 22. Olympischen Winterspiele. Fetissow ist seit 2005 Vorsitzender der Athletenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Seine Ämter als Vereinspräsident des Eishockey-Klubs HK ZSKA Moskau sowie als Vorstandsvorsitzender der Kontinentalen Hockey-Liga legte er 2012 nieder, um sich vollständig auf die Politik zu konzentrieren – heute ist er ein bedeutendes Mitglied des Föderationsrates.


Leistungen und Auszeichnungen (Auswahl)
    • 7-facher Weltmeister im Eishockey
    • 1 Vizeweltmeisterschaft
    • 3-mal Weltmeisterschaftsdritter
    • 2-facher Olympiasieger
    • 1 olympische Silbermedaille
    • 2-faches Mitglied des NHL-All-Star-Teams
    • Mitglied der Hockey Hall of Fame
    • 2-facher Spieler des Jahres der UdSSR
    • 9-faches Mitglied des All-Star-Teams der Wysschaja Liga
    • Träger des Lenin-Ordens
    • 3-facher Juniorenweltmeister
    • 14-facher Landesmeister der UdSSR
    • 1 Gewinn des Canada Cup
    • 3-facher Stanley Cup-Finalist als Spieler
    • 2-facher Stanley-Cup-Gewinner als Spieler
    • Stanley Cup-Gewinner als Assistenztrainer
    • Verdienstorden für das Vaterland IV.Klasse
    • 2 Ehrenzeichen der Sowjetunion
    • UNESCO Champion for Sport
    • Verdienter Meister des Sports der UdSSR
    • Verdienstorden für das Vaterland III. Klasse
    • Mitglied der IIHF Hall of Fame
    • 9-faches Mitglied des IIHF-All-Star-Teams
    • Mitglied der IHHF-All Stars des Jahrhunderts
    • Umbenennung des Asteroiden 8806 in „Fetissow“


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